Antibiotika richtig anwenden – Warum die Einnahme so wichtig ist
Antibiotika gehören zu den wichtigsten Medikamenten überhaupt
Seit ihrer Einführung haben Antibiotika Millionen von Menschenleben gerettet.
Erkrankungen, die früher lebensbedrohlich waren, können heute häufig erfolgreich behandelt werden. Lungenentzündungen, Wundinfektionen oder bestimmte Harnwegsinfektionen wären ohne Antibiotika deutlich gefährlicher.
Damit Antibiotika ihre Wirkung entfalten können, müssen sie jedoch richtig eingesetzt werden.
Leider kursieren bis heute viele Missverständnisse rund um diese Arzneimittel. Falsche Erwartungen, Anwendungsfehler und unnötige Einnahmen tragen dazu bei, dass Antibiotika ihre Wirksamkeit verlieren können.
Deshalb lohnt es sich, die wichtigsten Grundlagen zu kennen.
Was sind Antibiotika?
Antibiotika sind Arzneimittel zur Behandlung bakterieller Infektionen.
Sie wirken entweder:
* gegen Bakterien selbst,
* oder verhindern deren Vermehrung.
Je nach Erkrankung und Erreger kommen unterschiedliche Antibiotika zum Einsatz.
Dazu gehören beispielsweise:
* Penicilline
* Cephalosporine
* Makrolide
* Tetracycline
* Fluorchinolone
Welches Antibiotikum geeignet ist, entscheidet die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt anhand der jeweiligen Erkrankung.
Antibiotika wirken nicht gegen Viren
Dies ist einer der häufigsten Irrtümer überhaupt.
Antibiotika wirken ausschließlich gegen Bakterien.
Sie helfen nicht bei:
* Erkältungen
* Grippe
* den meisten Halsentzündungen
* vielen Husten-Erkrankungen
* den meisten viralen Infekten
Da die meisten Erkältungen durch Viren verursacht werden, bringen Antibiotika in diesen Fällen keinen Nutzen.
Im Gegenteil:
Unnötige Antibiotikatherapien erhöhen das Risiko für Nebenwirkungen und fördern die Entstehung von Resistenzen.
Warum werden Antibiotika trotzdem manchmal verschrieben?
Nicht jede Infektion lässt sich sofort eindeutig zuordnen.
Manchmal sprechen Beschwerden, Untersuchungsergebnisse oder Risikofaktoren für eine bakterielle Ursache.
In solchen Fällen kann eine Antibiotikatherapie sinnvoll oder sogar notwendig sein.
Die Entscheidung sollte jedoch immer individuell getroffen werden.
Warum die richtige Einnahme so wichtig ist
Antibiotika wirken nur dann optimal, wenn sie korrekt angewendet werden.
Bereits kleine Fehler können den Behandlungserfolg beeinträchtigen.
Deshalb sollten die Hinweise von Arzt und Apotheke genau beachtet werden.
Einnahmezeiten beachten
Viele Antibiotika müssen in bestimmten Abständen eingenommen werden.
Beispielsweise:
* morgens und abends
* alle acht Stunden
* einmal täglich
Diese Vorgaben sind wichtig, damit ausreichend Wirkstoff im Körper vorhanden bleibt.
Wer Einnahmen häufig vergisst oder die Abstände stark verändert, riskiert eine verminderte Wirksamkeit.
Mit oder ohne Essen?
Nicht jedes Antibiotikum wird gleich eingenommen.
Einige Präparate sollten:
* vor dem Essen
* während des Essens
* oder nach dem Essen
eingenommen werden.
Die genauen Hinweise finden sich in der Packungsbeilage oder werden in der Apotheke erklärt.
Milchprodukte können Probleme verursachen
Einige Antibiotika vertragen sich nicht gut mit:
* Milch
* Joghurt
* Quark
* Calciumpräparaten
* Magnesiumpräparaten
Dadurch kann die Aufnahme des Wirkstoffes vermindert werden.
Besonders bekannt ist dieses Problem bei bestimmten Tetracyclinen und Fluorchinolonen.
Deshalb sollte immer geprüft werden, ob ein zeitlicher Abstand erforderlich ist.
Die Therapie nicht eigenmächtig verändern
Viele Menschen setzen Antibiotika ab, sobald sie sich besser fühlen.
Ob dies sinnvoll ist, hängt von der jeweiligen Erkrankung und dem Antibiotikum ab.
Deshalb gilt:
Änderungen der Therapie sollten niemals eigenmächtig erfolgen.
Wer Fragen zur Einnahmedauer hat, sollte Rücksprache mit Arzt oder Apotheke halten.
Antibiotika niemals weitergeben
Ein Antibiotikum, das einer Person geholfen hat, ist nicht automatisch für eine andere Person geeignet.
Unterschiedliche Erkrankungen benötigen unterschiedliche Wirkstoffe.
Deshalb sollten Antibiotika niemals:
* an Familienmitglieder
* an Freunde
* oder an andere Personen
weitergegeben werden.
Antibiotika nicht für später aufheben
Gelegentlich bleiben nach einer Behandlung einzelne Tabletten übrig.
Diese sollten nicht als „Reserve für den Notfall“ aufbewahrt werden.
Bei einer späteren Erkrankung ist oft unklar:
* ob überhaupt eine bakterielle Infektion vorliegt,
* welches Antibiotikum geeignet wäre,
* oder welche Dosierung erforderlich ist.
Die Selbstbehandlung mit alten Antibiotikaresten kann problematisch sein.
Mögliche Nebenwirkungen
Wie alle Medikamente können auch Antibiotika Nebenwirkungen verursachen.
Zu den häufigeren Beschwerden gehören:
* Durchfall
* Übelkeit
* Bauchschmerzen
* Hautreaktionen
* Pilzinfektionen
Nicht jede Nebenwirkung ist gefährlich.
Treten jedoch starke Beschwerden, allergische Reaktionen oder andere ungewöhnliche Symptome auf, sollte unverzüglich ärztlicher Rat eingeholt werden.
Antibiotika und die Darmflora
Antibiotika bekämpfen nicht nur krankmachende Bakterien.
Teilweise werden auch nützliche Bakterien der Darmflora beeinflusst.
Dadurch können Beschwerden wie Durchfall auftreten.
Nach Abschluss der Therapie erholt sich die Darmflora in vielen Fällen wieder von selbst.
Was sind Antibiotikaresistenzen?
Resistenzen entstehen, wenn Bakterien lernen, sich gegen Antibiotika zu schützen.
Die Folge:
Ein Antibiotikum wirkt nicht mehr ausreichend.
Resistenzen gehören weltweit zu den größten Herausforderungen der modernen Medizin.
Je häufiger Antibiotika unnötig oder falsch eingesetzt werden, desto größer wird dieses Problem.
Was kann jeder Einzelne tun?
Jeder kann dazu beitragen, die Wirksamkeit von Antibiotika zu erhalten.
Wichtige Maßnahmen sind:
* Antibiotika nur bei medizinischer Notwendigkeit verwenden
* Einnahmehinweise beachten
* Therapie nicht eigenmächtig verändern
* Antibiotika nicht weitergeben
* Rückfragen bei Unsicherheiten stellen
Die Apotheke als Ansprechpartner
Gerade bei Antibiotika treten häufig Fragen auf:
* Wann soll ich das Medikament einnehmen?
* Darf ich Milchprodukte essen?
* Was mache ich bei Nebenwirkungen?
* Verträgt sich das Antibiotikum mit meinen anderen Medikamenten?
In der St. Leonhard Apotheke Kirchheim und der Hubertus Apotheke Thannhausen beraten wir täglich zu diesen Themen.
Eine kurze Rückfrage kann oft Unsicherheiten beseitigen und helfen, Anwendungsfehler zu vermeiden.
Wechselwirkungen nicht vergessen
Auch Antibiotika können Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln haben.
Besonders wichtig ist dies bei:
* Blutverdünnern
* bestimmten Herzmedikamenten
* Diabetesmedikamenten
* Nahrungsergänzungsmitteln
Deshalb sollten Sie Arzt und Apotheke immer über alle regelmäßig verwendeten Medikamente informieren.
Fazit
Antibiotika gehören zu den wichtigsten Arzneimitteln der modernen Medizin.
Damit sie zuverlässig wirken können, müssen sie jedoch richtig angewendet werden.
Besonders wichtig ist:
* Antibiotika wirken nur gegen Bakterien.
* Einnahmehinweise sollten genau beachtet werden.
* Antibiotika dürfen nicht weitergegeben werden.
* Bei Fragen oder Problemen sollte Rücksprache mit Arzt oder Apotheke gehalten werden.
Wer Antibiotika verantwortungsvoll einsetzt, schützt nicht nur seine eigene Gesundheit, sondern trägt auch dazu bei, die Wirksamkeit dieser wichtigen Medikamente langfristig zu erhalten.